Wie finde ich die zu einer bestimmten Aufgabe geeignete Form der Konzentration?

Oder besser gesagt: Wie komme ich zur Spitzenkonzentration?

Dazu hat meine liebe Kollegin Astrid Brüggemann eine sehr schöne Übersicht mit 6 Schritten erstellt, die ich hier kurz erkläre:

  1. Überleg Dir, was Du Schönes nach Erledigung der anstehenden Aufgabe machen kannst – eine Belohnung quasi.
  2. Schalte jegliche Ablenkungen aus!
  3. Schätze, wie viel Zeit Du für die anstehende Aufgabe benötigst. Sei eher etwas geizig mit der Zeit, denn jede Aufgabe dauert genau so lange, wie Du ihr Zeit zugestehst.
  4. Stelle Dir einen Wecker zur Zeitbegrenzung.
  5. Hole Dir die Konzentration, die Du brauchst mit der 3-Finger-Technik. Alternative: Kommentiere jeden Arbeitsschritt entweder halblaut gesprochen oder laut im Kopf gedacht.
  6. Starte mit der Aufgabe und zieh sie durch.

Und zum Schluss ganz wichtig: Prüfe, ob Du alles erledigt und richtig hast und dann lobe Dich für die erledigte Aufgabe!

 

Erklärungen:

Zu 1.) Wir alle haben so einen kleinen Schweinehund in uns, der es sehr gut mit uns meint und möchte, dass es für uns bequem und angenehm ist. Leider schießt er öfter mal über’s Ziel hinaus und verhindert so, dass wir Dinge erledigen, die einfach gemacht werden müssen, wie Hausaufgaben bei den Kids oder die Steuererklärung bei uns Erwachsenen. Wenn wir unserem „Schweinehund“ dafür, dass er uns beim Erledigen von Aufgaben unterstützt oder wenigstens in Ruhe lässt, eine Belohnung in Aussicht stellen, klappt das oft viel besser als mit Drohungen oder Strafen.

Wir Eltern kennen das Phänomen: Wenn das Kind eine feste Verabredung mit Freunden zum Spielen am Nachmittag hat, klappen die Hausaufgaben oft ohne Diskussionen und Hindernisse. Auch die Aussicht, nach den Hausaufgaben Zeit mit Mama oder Papa beim Spielen, Kuscheln usw. zu verbringen, kann Kinder sehr motivieren.

Hilfreich ist regelmäßig die Formulierung: „Wenn Du mit Deinen Hausaufgaben fertig bist, dann kannst/ darfst Du…“
Was hingegen oft nicht funktioniert, ist: „Du darfst nicht …, wenn Du nicht bald Deine Hausaufgaben erledigst.“
Inhaltlich die gleiche Bedeutung, ist doch die sprachliche Wirkung sehr unterschiedlich.
Im ersten Fall motiviert es, im anderen Fall provoziert die „Drohung“ Diskussionen.

Zu 2.) Zu Beginn einer Aufgabe sollten alle Ablenkungen ausgeschaltet werden, sei es das Telefon, der Fernseher oder das Radio. Auch Geschwister – insbesondere jüngere – sollten anderweitig beschäftigt werden. Dann werden die Unterlagen, die für die Aufgabe benötigt werden zurechtgelegt. Bitte lassen Sie Ihr Kind wirklich nur das notwendige Heft und Buch bereitlegen und nicht etwa alle Hausaufgaben. So sieht der „zu besteigende Berg“ viel kleiner aus, als wenn da eine Menge Hefte und Bücher auf dem Tisch liegen.

Zu 3.) Nun wird der Umfang der Aufgabe bestimmt – inhaltlich und auch zeitlich. Es ist durchaus hilfreich, einer Aufgabe nicht zu viel Zeit zugestehen. Es gibt einen paradoxen Effekt, dass eine Aufgabe immer so viel Zeit in Anspruch nimmt, wie ich ihr einräume. Sie kennen das bestimmt: Habe ich für die Steuererklärung 4 Wochen Zeit, benötige ich auch die vollen 4 Wochen. Muss ich die Sache in 4 Stunden komplett erledigt haben, schaffe ich das auch in dieser kurzen Zeit.

Zu 4.) Stelle Dir einen Wecker zur Zeitbegrenzung.

Zu 5.) Diese Technik stammt aus dem NLP (Neurolinguistisches Programmieren) und nennt sich Ankern. Sie hilft ungemein dabei, sich in unserem Fall einerseits der Fähigkeit zur Konzentration, die jeder Mensch in sich trägt, bewusst zu werden und sie andererseits auf „Knopfdruck“ abzurufen.

Überlege kurz, wann Du das letzte Mal so richtig gut konzentriert warst und alles um Dich herum vergessen hast. Diese Situation muss überhaupt nichts mit der Schule oder Arbeit zu tun haben. Regelmäßig haben wir diese gute Konzentration bei Dingen, die uns interessieren, fesseln oder einfach Spaß machen – gerade auch in unserer Freizeit. Übrigens: Es gibt nur wenige Menschen, die sich tatsächlich sehr wenig konzentrieren können.
Spüre nun in diese erinnerte Situation noch einmal hinein. Wie fühlte sich das an? Dieses gute Gefühl nimmst Du nun und schickst es gedanklich in die drei Finger Deiner nichtschreibenden Hand, also Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger. Drück beim Gedanken an dieses Gefühl der guten Konzentration die drei Finger spürbar fest aneinander. Wiederhole das ein paar Mal, gern auch mit unterschiedlichen Situationen guter Konzentration aus Deiner Erinnerung.

Wann immer Du nun eine gute Konzentration für eine Aufgabe benötigst, drückst Du wieder die drei Finger der nichtschreibenden Hand aneinander. Wie von Zauberhand wirst Du Deine gute Konzentration spüren und nutzen können.

Liebe Eltern, bitte Obacht: Die Dauer von Konzentration wird bei Kindern oft gewaltig überschätzt. Die Faustformel für die Zeit von Konzentration (bei Kids) lautet: Lebensalter mal 2 ist gleich Konzentrationsdauer in Minuten; danach braucht das Kind eine Pause von 3 bis 5 Minuten.

Zu 6.) Starte mit der Aufgabe und zieh sie durch. Beachte die vorgenannte Pausenregel.

Und nun viel Erfolg beim Anwenden. 😉

 

Ursprünglich erdacht hat diesen Ablauf übrigens meine geschätzte Lerncoach-Ausbilderin Iris Komarek.

Ich freue mich darauf, von Ihnen eine kurze Rückmeldung zu bekommen, ob meine Ausführungen hilfreich waren.

Auch Themen rund ums Lernen, zu denen Sie Antworten suchen, interessieren mich, denn vielleicht habe ich ja die eine oder andere Variante einer Antwort. Also bitte schreiben Sie mir.

Herzliche Grüße

Ihre Victoria Stübner
vs@ganz-einfach-lernen.de